Die Synchronstimmen der Zeichen

Premiere: 11. & 18. April 2021
SWR 2 – Feature am Sonntag

Gesprochen von
Kathrin Angerer
Lars Rudolph

Mit
Prof. Barbara Fruth
Friederike Habermann
Prof. Christina von Braun
Prof. Jochen Hörsch

Text & Musik Elias Gottstein
Ton Audio Berlin
Grafik Till Kraus

Inhalt

In einem zweiteiligen Hörstück reflektieren die Sprecherinnen Kathrin Angerer und Lars Rudolph ihre Rollen als Synchronstimmen der Zeichen und welche Bedeutung Schrift und Geld für sie dabei haben. Vertieft werden ihre Gedanken durch Interviews mit der Anthropologin Prof. Christina von Braun, dem Medienwissenschaftler Prof. Jochen Hörisch, der Primatenforscherin Prof. Barbara Fruth und der Ökonomin Friederike Habermann. Schnell müssen die Sprecherin und der Sprecher feststellen, welche grundlegende Bedeutung die abstrakten Zeichen für das moderne Zusammenleben haben: Auf den Buchstaben des Alphabets basiert die schriftliche Kommunikation, Computer-Code ermöglicht die Digitalisierung der ganzen Welt und die abstrakten Geldzeichen, Preise und Währungssymbole steuern die gesamte Wirtschaft. Die universelle Gültigkeit dieser Zeichen und ihre abstrakte Form ermöglicht es, dass Kommunikation, Handel und gesellschaftliche Ordnung von der direkten zwischenmenschlichen Ebene auf eine höhere gesellschaftliche Ordnung verlagert werden können. Erst diese Ordnung ermöglicht allgemeingültige Normen und Gesetze, globalen Handel und auch individualistische Freiheit. Die Abhängigkeit von kleinen Gruppen und direkten Beziehungen wird geringer. Ist das gut oder ist das schlecht? Immer wieder reflektieren Kathrin Angerer und Lars Rudolph die Erkenntnisse, die sie während dem Lesen des Textes sammeln. Die zunehmende Unabhängigkeit, welche die Zeichensysteme ermöglichen, täuscht leicht darüber hinweg, dass diese Zeichen durchaus auf Gegenseitigkeit beruhen: eben darauf, dass die Menschen die Bedeutungen der Zeichen kennen und anerkennen, um nicht zu sagen ›gegenseitig hervorbringen‹. Die Gegenseitigkeit wurde zwar auf eine höhere gesellschaftliche Ebene verlagert, ist aber keineswegs damit aufgelöst. Die Zeichen sind keine eigenständige Macht, keine künstliche Intelligenz, keine natürlichen Gegebenheiten und auch keine übermenschlichen Geister. Auch der Text, den die Sprecherinnen lesen, wird erst bedeutsam, wenn sie ihn lesen und aussprechen und wenn andere wiederum das Hörstück hören, so stellen die beiden fest.
Diese Perspektive – auf Code, Schrift, Internetplattformen, und insbesondere auch auf Geld – verlangt nach einem anderen Umgang mit diesen Zeichen; einen Umgang, der die Gegenseitigkeit, welche die Zeichen erst hervorbringt, nicht verschleiert, sondern die Zeichen als Werkzeuge der Gegenseitigkeit begreift und daher auch primär in den Dienst dieser Gegenseitigkeit stellt.

Lars Rudolph, Kathi Angerer und Elias im Studio